Kurzsichtigkeit in Zahlen: So verbreitet ist Myopie in Deutschland

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In Deutschland ist mehr als jeder dritte Erwachsene kurzsichtig. Die Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz hat dafür 13.959 Menschen zwischen 35 und 74 Jahren untersucht: 35,1 Prozent waren kurzsichtig, 31,8 Prozent weitsichtig und 32,3 Prozent hatten eine Hornhautverkrümmung. Laut Allensbacher Brillenstudie 2024 tragen 64 Prozent der Menschen ab 16 Jahren eine Brille, rund 38,7 Millionen. Weltweit könnte 2050 jeder zweite Mensch kurzsichtig sein.

Fehlsichtigkeit in Zahlen

35,1 %der Erwachsenen von 35 bis 74 Jahren sind kurzsichtigGutenberg-Gesundheitsstudie
38,7 Mio.Menschen ab 16 Jahren tragen eine Brille (64 %)Allensbach/ZVA 2024
47,2 %der 25- bis 29-Jährigen in Europa sind kurzsichtigE3-Konsortium 2015
49,8 %der Weltbevölkerung könnten 2050 kurzsichtig seinHolden et al. 2016

Quelle: Wolfram et al., BJO 2014; ZVA-Brillenstudie 2024; Williams et al., Eur J Epidemiol 2015; Holden et al., Ophthalmology 2016

Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung: die Verteilung

Fehlsichtigkeit (Erwachsene, 35 bis 74 Jahre)Anteil
Kurzsichtigkeit (Myopie)35,1 %
Weitsichtigkeit (Hyperopie)31,8 %
Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)32,3 %

Die Werte lassen sich nicht addieren, denn eine Hornhautverkrümmung tritt oft zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf. Wer kurzsichtig ist, sieht in der Ferne unscharf, weil der Augapfel etwas zu lang ist oder die Hornhaut zu stark bricht. Mehr dazu erklärt der Beitrag zur Kurzsichtigkeit. Bei einer Hornhautverkrümmung ist die Hornhaut ungleichmäßig gewölbt, sodass Punkte als Striche erscheinen. Wer häufig unscharf sieht, findet mögliche Gründe im Beitrag Verschwommen sehen: Ursachen.

Jüngere Erwachsene sind am häufigsten kurzsichtig

Das Europäische Konsortium für Augenepidemiologie (E3) hat 15 Studien mit 61.946 Teilnehmenden ausgewertet. Europaweit sind 30,6 Prozent der Erwachsenen kurzsichtig. Am höchsten ist der Anteil bei den 25- bis 29-Jährigen: 47,2 Prozent, also fast jeder Zweite. Bei den 70- bis 74-Jährigen sind es 13,9 Prozent. Die jüngeren Jahrgänge sind demnach deutlich häufiger kurzsichtig als ihre Eltern und Großeltern.

Kurzsichtigkeit nach Alter in Europa

Altersgruppen aus 15 Bevölkerungsstudien mit 61.946 Teilnehmenden

25 bis 29 Jahre
47,2 %
Fast jeder Zweite
30 bis 34 Jahre
38,3 %
40 bis 44 Jahre
40,2 %
50 bis 54 Jahre
33,6 %
60 bis 64 Jahre
21,4 %
70 bis 74 Jahre
13,9 %

Quelle: Williams et al., European Eye Epidemiology Consortium, 2015

Kinder und Jugendliche in Deutschland

Anders als in Ostasien ist die Kurzsichtigkeit bei Kindern in Deutschland bislang nicht gestiegen. Laut KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts sind rund 11 Prozent der 0- bis 17-Jährigen kurzsichtig, 11,6 Prozent in den Jahren 2003 bis 2006 und 11,4 Prozent in den Jahren 2014 bis 2017. Mit dem Alter steigt der Anteil stark: Unter den 14- bis 17-Jährigen sind 35 Prozent der Mädchen und 23 Prozent der Jungen kurzsichtig.

38,7 Millionen Brillenträger

Die Brillenstudie 2024 zeigt, wie stark der Brillenbedarf mit dem Alter wächst. Bei den 20- bis 29-Jährigen tragen 29 Prozent eine Brille, bei den 30- bis 44-Jährigen 40 Prozent. Ab 45 springt der Anteil auf 72 Prozent, ab 60 Jahren tragen 90 Prozent eine Brille. In diesem Alter beginnt bei vielen auch eine Linsentrübung, wie der Beitrag Grauer Star OP in Zahlen zeigt. Dann kommt zur bestehenden Fehlsichtigkeit meist die Alterssichtigkeit hinzu, und viele brauchen eine Gleitsichtbrille. Ob sich auch dann noch lasern lässt, beantworten die Beiträge Augen lasern statt Gleitsicht und Monovision beim Augenlasern. Kontaktlinsen nutzen 5 Prozent der Menschen ab 16 Jahren, 2,8 Prozent davon regelmäßig. Warum man damit nicht schlafen sollte, erklärt der Beitrag Mit Kontaktlinsen schlafen.

Brillenträger nach Alter 2024

Anteil der Bevölkerung, der ständig oder gelegentlich eine Brille trägt

20 bis 29 Jahre
29 %
2019: 36 %
30 bis 44 Jahre
40 %
2019: 44 %
45 bis 59 Jahre
72 %
2019: 74 %
60 Jahre und älter
90 %
2019: 91 %

Quelle: Allensbach-Brillenstudie 2024 im Auftrag des ZVA

Viele tragen dabei eine Brille, die nicht mehr zu ihren Augen passt. Woran Sie das merken, zeigt der Beitrag Falsche Brille: Symptome. Das Thema hat auch wirtschaftliches Gewicht. Laut Branchenbericht des Zentralverbands der Augenoptiker wurden 2025 in Deutschland 11,77 Millionen komplette Brillen verkauft, der Branchenumsatz lag bei 7,03 Milliarden Euro.

Der weltweite Trend: bis 2050 jeder Zweite kurzsichtig

Nach dem Weltbericht zum Sehen der WHO leben mindestens 2,2 Milliarden Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung. Für 2020 schätzte die WHO 2,6 Milliarden kurzsichtige Menschen, darunter 312 Millionen unter 19 Jahren. Eine Hochrechnung von Holden und Kollegen erwartet für 2050 rund 4,76 Milliarden kurzsichtige Menschen, 49,8 Prozent der Weltbevölkerung. Im Jahr 2000 waren es 1,41 Milliarden. Die Zahl der hochgradig Kurzsichtigen soll im selben Zeitraum von 163 Millionen auf 938 Millionen steigen.

Kurzsichtigkeit weltweit: 2000 und Prognose 2050

Anzahl kurzsichtiger Menschen in Milliarden

1,41 Mrd.
22,9 % der Weltbevölkerung
4,76 Mrd.
49,8 % der Weltbevölkerung, davon 938 Mio. hochgradig
20002050

Quelle: Holden et al., Ophthalmology 2016

Bildschirm und Tageslicht

Als wichtigste Einflüsse gelten viel Naharbeit und wenig Zeit im Freien. Eine Metaanalyse in Lancet Digital Health (2021) fand bei Kindern, die Smartphone oder Tablet und zusätzlich den Computer intensiv nutzen, eine um 77 Prozent höhere Chance auf Kurzsichtigkeit. Tageslicht wirkt dagegen: In einer randomisierten Studie aus Guangzhou senkten 40 zusätzliche Minuten im Freien pro Schultag den Anteil neu kurzsichtiger Kinder über drei Jahre von 39,5 auf 30,4 Prozent. Was sonst hilft, fasst der Beitrag zur Myopie-Epidemie zusammen.

Brille, Kontaktlinsen oder Laser: was die Zahlen nahelegen

Den 38,7 Millionen Brillenträgern stehen 37.713 refraktive Eingriffe gegenüber, die Augenzentren für 2024 in der Umfrage der Fachgesellschaften gemeldet haben. Auch wenn die tatsächliche Zahl höher liegt: Die große Mehrheit bleibt bei Brille oder Kontaktlinsen. Wie sich die Zahl der Eingriffe seit 2019 entwickelt hat, zeigt der Beitrag Augenlasern in Deutschland 2026.

Das ist für viele die richtige Wahl. Wer aber täglich Linsen trägt, Sport treibt oder die laufenden Kosten satt hat, sollte die Alternativen kennen. Einen ehrlichen Vergleich bietet der Beitrag Augenlasern oder Kontaktlinsen. Mit unserem Kostenrechner sehen Sie, ab welchem Jahr sich eine Laserbehandlung für Sie rechnet. Ausführlich rechnet der Artikel Kostenfalle Brille.

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Alle drei häufigen Fehlsichtigkeiten lassen sich mit dem Laser an der Hornhaut korrigieren. Bei Aumedica in Köln behandeln wir ausschließlich mit SmartSurfACE No-Touch: ohne Schnitt, ohne Flap und ohne Berührung des Auges. In einer Studie aus dem Jahr 2024 sahen danach 96 Prozent der Augen ohne Brille 20/20 oder besser. Das Verfahren eignet sich für

Voraussetzung ist eine Sehstärke, die sich seit mindestens einem Jahr kaum verändert hat, ein Mindestalter von 18 Jahren und eine gesunde Hornhaut. Welche Werte genau zählen, erklärt der Beitrag zu den Voraussetzungen. Wer bereits über 60 ist und zusätzlich alterssichtig, findet in den Artikeln Augenlasern über 60 und Augenlasern: Nachteile im Alter eine realistische Einschätzung. Ob Ihre Augen geeignet sind, klären wir in einer Voruntersuchung in unserem Augenlaserzentrum am Kölner Heumarkt.

Häufige Fragen

Wie viele Deutsche sind kurzsichtig?

In der Gutenberg-Gesundheitsstudie mit 13.959 Teilnehmenden waren 35,1 Prozent der Erwachsenen zwischen 35 und 74 Jahren kurzsichtig. Damit ist mehr als jeder dritte Erwachsene betroffen. Bei den 25- bis 29-Jährigen in Europa ist es fast jeder Zweite.

Wie viele Menschen tragen in Deutschland eine Brille?

Laut Allensbacher Brillenstudie 2024 tragen 64 Prozent der Menschen ab 16 Jahren eine Brille, rund 38,7 Millionen. Ab 60 Jahren sind es 90 Prozent. Kontaktlinsen nutzen 5 Prozent.

Werden Kinder in Deutschland häufiger kurzsichtig?

Bisher nicht. Laut KiGGS-Studie blieb der Anteil kurzsichtiger Kinder und Jugendlicher stabil bei rund 11 Prozent. Unter den 14- bis 17-Jährigen sind jedoch 35 Prozent der Mädchen und 23 Prozent der Jungen kurzsichtig.

Warum nimmt Kurzsichtigkeit weltweit zu?

Als wichtigste Faktoren gelten viel Naharbeit, etwa am Bildschirm, und wenig Zeit bei Tageslicht im Freien. In einer Studie senkten 40 zusätzliche Minuten draußen pro Schultag den Anteil neu kurzsichtiger Kinder von 39,5 auf 30,4 Prozent.

Kann man Hornhautverkrümmung lasern?

Ja. Eine Hornhautverkrümmung lässt sich mit dem Laser korrigieren, auch zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit. Bei SmartSurfACE wird dafür die Hornhautoberfläche berührungslos und ohne Flap neu geformt.

Quellen

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

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