Monovision beim Augenlasern – Lösung für Alterssichtigkeit?

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Ab Mitte 40 stellt sich für viele Menschen dieselbe Frage: Die Lesebrille ist da, aber auf sie verzichten will man eigentlich nicht. Augenlasern kann die Ursache der Alterssichtigkeit – den Elastizitätsverlust der Augenlinse – nicht rückgängig machen. Was es aber kann: Die Hornhautform so anpassen, dass das Gehirn die fehlende Akkommodation der Linse ausgleicht. Das ist das Prinzip der Monovision.

Monovision beim Augenlasern ist kein neues Konzept. Es wird seit Jahren erfolgreich angewendet – aber es funktioniert nicht für jeden, und es setzt voraus, dass man bereit ist, eine Kompromisslösung zu akzeptieren. Dieser Beitrag erklärt, wie Monovision funktioniert, für wen sie geeignet ist und worauf man vorher achten sollte.

Was ist Monovision? (Prinzip und Idee)

Monovision bedeutet: Ein Auge wird auf Ferne korrigiert, das andere auf Nähe. Das dominante Auge – in der Regel das rechte – übernimmt die Fernsicht, das nicht-dominante Auge die Nahsicht. Das Gehirn lernt, je nach Situation das jeweils besser sehende Auge in den Vordergrund zu rücken und das andere zu unterdrücken.

Das klingt ungewöhnlich. In der Praxis gewöhnen sich viele Menschen überraschend gut daran – besonders wenn der Unterschied zwischen den Augen moderat bleibt. Das Gehirn ist plastisch genug, um diese unterschiedliche Korrektur als normal zu verarbeiten.

Monovision ist keine Erfindung des Augenlaserns. Kontaktlinsenträger kennen dasselbe Prinzip seit Jahrzehnten. Das Augenlasern macht die Korrektur dauerhaft, ohne dass täglich Linsen eingesetzt werden müssen.

Wie funktioniert Monovision-LASIK?

Bei der Monovision-LASIK wird die Laserkorrektur asymmetrisch geplant. Das dominante Auge wird auf optimale Fernsicht korrigiert – in der Regel auf 0,0 Dioptrien oder leicht darunter. Das nicht-dominante Auge erhält eine leichte Unterkorrektur, die das Nahsehen verbessert – typischerweise zwischen –0,75 und –1,5 Dioptrien.

Diese bewusste Asymmetrie macht das Gehirn zur entscheidenden Komponente. Es muss lernen, beide Eingaben zu fusionieren und situationsabhängig zu gewichten. Dieser Lernprozess dauert einige Wochen. Danach berichten die meisten erfolgreichen Monovision-Patienten, dass sie den Unterschied zwischen den Augen im Alltag kaum noch wahrnehmen.

Eine Variante ist die sogenannte Mini-Monovision oder modifizierte Monovision, bei der der Unterschied zwischen den Augen kleiner gehalten wird – etwa nur –0,5 bis –0,75 Dioptrien. Die Verträglichkeit ist höher, der Nahsehgewinn etwas geringer.

Für wen ist Monovision geeignet?

Monovision ist nicht universell. Folgende Faktoren begünstigen ein gutes Ergebnis:

Presbyopie ab 40–45 Jahren: Monovision eignet sich vor allem für Menschen, die ihre Fernsicht noch gut haben, aber die Lesebrille loswerden möchten.

Gute Anpassungsfähigkeit des Gehirns: Patienten, die flexibel mit der Probezeit mit Kontaktlinsen umgehen und sich gut anpassen, sind tendenziell bessere Kandidaten.

Klare Dominanzverteilung: Ein deutlich dominantes Auge erleichtert die Monovision erheblich. Wenn beide Augen gleich dominant sind, ist die Verträglichkeit geringer.

Keine sehr anspruchsvolle Stereo-Sehaufgabe: Für Berufe, die präzises räumliches Sehen erfordern – etwa Chirurgen oder Piloten – ist Monovision möglicherweise nicht optimal.

Patienten mit starker Presbyopie ab etwa –2,5 Dioptrien Nahbedarf profitieren weniger von Monovision, weil die notwendige Unterkorrektur des zweiten Auges so groß wäre, dass die Tiefenwahrnehmung leidet. Für Patienten ab 60 bietet der Beitrag Augenlasern über 60 einen weiterführenden Überblick zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten.

Vorteile von Monovision

  • Brillenfreiheit im Alltag: Lesen, Smartphone oder Naharbeit sind oft ohne Lesebrille möglich.
  • Dauerhafte Korrektur: Im Unterschied zu Kontaktlinsen muss nichts täglich eingesetzt werden.
  • Bewährtes Verfahren: Monovision-Konzepte werden seit den 1980er-Jahren angewendet und sind gut untersucht.
  • Reversibilität per Nachkorrektur: Falls Monovision nicht toleriert wird, kann das nicht-dominante Auge häufig erneut korrigiert werden – sofern genügend Hornhautgewebe vorhanden ist.

Nachteile und Einschränkungen der Monovision

Tiefenwahrnehmung und räumliches Sehen

Monovision reduziert die binokulare Sehschärfe in bestimmten Situationen. Optimales räumliches Sehen setzt voraus, dass beide Augen möglichst gleich scharf sehen. Bei Monovision ist das nicht der Fall.

Im Alltag spielt das für viele Menschen kaum eine Rolle. Bei Aufgaben, die präzises räumliches Sehen erfordern – etwa Ballsportarten oder sehr präzise Handarbeit – kann der Unterschied jedoch spürbar sein.

Gewöhnungsphase

Die ersten Wochen nach der Monovision-LASIK sind eine Anpassungsphase. Das Gehirn muss lernen, die unterschiedlichen Bilder der beiden Augen sinnvoll zusammenzusetzen. In dieser Zeit kann das Sehen ungewohnt wirken – beispielsweise leicht verschwommen oder weniger stabil. Das ist kein Zeichen einer Komplikation, sondern Teil des Lernprozesses.

Wie gut funktioniert Monovision in der Praxis?

Studien zeigen, dass etwa 70–80 % der Patienten, die Monovision zuvor mit Kontaktlinsen getestet und toleriert haben, auch mit dem dauerhaften Ergebnis nach einer Laserbehandlung zufrieden sind. Ohne diese Vorabprobe liegt die Zufriedenheit deutlich niedriger.

Wichtig ist zu verstehen, dass Monovision nicht alle Aspekte der Presbyopie vollständig löst. Sehr kleine Schrift, schwaches Licht oder extrem nahe Arbeitsabstände können auch nach der Behandlung gelegentlich eine Lesebrille erforderlich machen.

Wer sich für Monovision interessiert, findet auf der Seite zu Augenlasern ab 50 bei Aumedica weitere Informationen zur Behandlung von Presbyopie.

Monovision testen – so probieren Sie es vorher aus

Vor einer dauerhaften Monovision-Laserkorrektur sollte immer eine Probezeit mit Kontaktlinsen erfolgen. Dabei werden Kontaktlinsen angepasst, die das Prinzip simulieren – ein Auge für Ferne, das andere für Nähe – und über mehrere Wochen im Alltag getragen.

Wenn Monovision mit Kontaktlinsen nicht gut funktioniert, wird sie auch nach einer Laserbehandlung nicht besser funktionieren. Die Probephase ist daher ein wichtiger Bestandteil der Eignungsprüfung.

Monovision vs. Gleitsichtbrille vs. multifokale Linsen

Gleitsichtbrille: Eine unkomplizierte Lösung ohne Operation, aber man bleibt dauerhaft auf eine Brille angewiesen. Ob Augenlasern langfristig eine sinnvollere Alternative zur Gleitsichtbrille ist, erklärt der Beitrag Augenlasern statt Gleitsichtbrille.

Monovision: Kann im Alltag Brillenfreiheit ermöglichen, erfordert jedoch eine Anpassungsphase und bringt leichte Kompromisse beim räumlichen Sehen mit sich.

Multifokale Linsen: Eine operative Lösung mit Kunstlinsen, die Sehen in mehreren Entfernungen ermöglichen. Besonders geeignet für Menschen ab etwa 55–60 Jahren oder bei stärkerer Presbyopie. Mehr dazu im Beitrag Augenlasern oder Linsenimplantat.

Eine grundlegende Einführung in Alterssichtigkeit bietet der Beitrag Was ist Presbyopie?. Informationen zu Kosten verschiedener Behandlungen finden sich auf der Seite zu Augenlasern Kosten bei Aumedica.

FAQ

Kann man Monovision wieder rückgängig machen?

In vielen Fällen ja. Das Auge, das für die Nähe korrigiert wurde, kann häufig erneut auf Fernsicht angepasst werden, sofern genügend Hornhautgewebe vorhanden ist. Trotzdem sollte Monovision nicht als leicht rückgängig zu machende Entscheidung betrachtet werden – deshalb ist die Kontaktlinsen-Probephase wichtig.

Wie hoch ist die Erfolgsrate der Monovision?

Bei Patienten, die Monovision zuvor erfolgreich mit Kontaktlinsen getestet haben, berichten etwa 70–80 % von hoher Zufriedenheit nach der Laserbehandlung. Die Erwartungshaltung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Eignet sich Monovision auch für starke Presbyopie?

Bei stärkerer Presbyopie stößt Monovision an Grenzen. Wenn der Nahbedarf sehr hoch ist, müsste das zweite Auge zu stark unterkorrigiert werden. Dadurch würden Fernsicht und räumliches Sehen deutlich leiden. In solchen Fällen kann ein refraktiver Linsentausch mit multifokaler Linse sinnvoller sein.

Wie lange hält Monovision an?

Die Laserkorrektur selbst ist dauerhaft. Allerdings schreitet die Presbyopie bis etwa zum 60. Lebensjahr weiter fort. Daher kann es sein, dass sich der Nahbedarf im Laufe der Jahre verändert und gegebenenfalls eine zusätzliche Anpassung sinnvoll wird.

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor & Facharzt

Dr. med. Kadir Kocadag

Facharzt für Augenheilkunde · Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

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