Augeninfarkt: Symptome erkennen und schnell handeln

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Ein Augeninfarkt ist ein plötzlicher, meist schmerzloser Verschluss eines Blutgefäßes in der Netzhaut und gilt als akuter Notfall. Betroffene bemerken innerhalb von Sekunden bis Minuten einen deutlichen Sehverlust auf einem Auge, oft wie einen fallenden Vorhang oder eine schwarze Wand. Wer diese Symptome erkennt, sollte innerhalb von wenigen Stunden eine Klinik aufsuchen, denn nur in einem engen Zeitfenster kann das Sehvermögen möglicherweise gerettet werden. Hauptursache ist ein Blutgerinnsel oder eine Embolie, meist bei bestehendem Bluthochdruck, Diabetes, Vorhofflimmern oder Arteriosklerose. In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie einen Augeninfarkt erkennen, welche Behandlung möglich ist und wie Sie das Risiko senken.

Was ist ein Augeninfarkt genau?

Der Begriff Augeninfarkt fasst mehrere Krankheitsbilder zusammen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass die Netzhaut oder der Sehnerv nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Die Netzhaut ist auf einen konstanten Sauerstoffstrom angewiesen. Fällt dieser aus, sterben die empfindlichen Nervenzellen innerhalb von 60 bis 240 Minuten ab.

Die drei häufigsten Formen

  • Zentralarterienverschluss (ZAV): Das Hauptgefäß der Netzhaut ist blockiert. Plötzlicher, schwerer Sehverlust auf einem Auge.
  • Astarterienverschluss: Nur ein Ast der Netzhautarterie ist verschlossen. Der Ausfall betrifft einen bestimmten Ausschnitt des Sehfelds.
  • Zentralvenenverschluss (ZVV): Der Rückstrom des Blutes ist gestört, Blutungen und Ödeme entstehen. Der Sehverlust entwickelt sich oft über Stunden.

Zusätzlich unterscheiden Augenärzte die Amaurosis fugax, einen kurzen, meist wenige Minuten anhaltenden Sehverlust. Er verschwindet zwar von selbst, ist aber ein deutliches Warnsignal für einen kompletten Augeninfarkt oder Schlaganfall in naher Zukunft.

Typische Symptome eines Augeninfarkts

Die Anzeichen sind meistens eindeutig und treten sehr plötzlich auf. Beachten Sie folgende Warnzeichen:

  • Plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge.
  • Wahrnehmung wie ein Vorhang, der von oben oder zur Seite herabfällt.
  • Ein grauer Schleier oder eine dunkle Wolke über dem Sehfeld.
  • Verlust nur eines bestimmten Sehfeldausschnitts, zum Beispiel des äußeren Randes.
  • Vorübergehende Sehstörungen (Sekunden bis Minuten), die sich wiederholen.

Wichtig: Ein Augeninfarkt tut in der Regel nicht weh. Fehlender Schmerz ist typisch und darf nicht dazu führen, dass die Symptome unterschätzt werden. Wer diese Zeichen bemerkt, sollte sofort in die Notaufnahme einer Augenklinik oder auf eine Stroke Unit. Der Anruf beim Notarzt ist ausdrücklich gerechtfertigt.

Wodurch entsteht ein Augeninfarkt?

Meistens wandert ein kleines Blutgerinnsel oder ein Cholesterinkristall aus der Halsschlagader oder dem Herzen in die Netzhautarterie. Dort verstopft es das Gefäß. Die Ursachen sind dieselben wie beim Schlaganfall, weshalb Betroffene immer auch kardiologisch und neurologisch untersucht werden sollten.

Die wichtigsten Risikofaktoren

  • Bluthochdruck: Wahrscheinlich der wichtigste einzelne Risikofaktor.
  • Diabetes mellitus: Schädigt die kleinen Gefäße der Netzhaut über Jahre.
  • Rauchen: Verdoppelt bis verdreifacht das Risiko.
  • Erhöhtes Cholesterin: Fördert Ablagerungen in den Halsgefäßen.
  • Vorhofflimmern: Häufigste Quelle wandernder Blutgerinnsel.
  • Arteriosklerose der Halsschlagadern: Bereits bekannte Stenosen erhöhen das Risiko deutlich.
  • Alter über 60 Jahre: Die meisten Fälle treten in dieser Altersgruppe auf.

Bei jüngeren Patienten sollten zusätzlich Gerinnungsstörungen, eine Riesenzellarteriitis und Autoimmunerkrankungen ausgeschlossen werden.

Diagnose: Was passiert in der Klinik?

Ein Augeninfarkt lässt sich bei der Untersuchung des Augenhintergrunds meist innerhalb weniger Minuten erkennen. Der Augenarzt sieht eine typische, blasse Netzhaut mit einem sogenannten kirschroten Fleck über der Makula. Zusätzlich kommen folgende Untersuchungen zum Einsatz:

  • Optische Kohärenztomographie (OCT) zur Beurteilung der Netzhautschichten.
  • Fluoreszenzangiographie zur Darstellung der Durchblutung.
  • Duplex-Sonographie der Halsschlagadern zur Suche nach der Emboliequelle.
  • EKG und Herzultraschall zum Ausschluss von Vorhofflimmern.
  • Laboruntersuchung inklusive Blutsenkungsgeschwindigkeit (bei Verdacht auf Arteriitis).

Behandlung des Augeninfarkts

Die Zeit ist der entscheidende Faktor. Studien zeigen, dass die Netzhaut in den ersten 90 Minuten am besten auf eine Rekanalisation reagiert. Nach etwa vier bis sechs Stunden sind die Chancen auf eine vollständige Erholung deutlich geringer.

Akutmaßnahmen

  • Augenmassage zur mechanischen Verschiebung des Embolus.
  • Senkung des Augeninnendrucks durch Medikamente oder Vorderkammerpunktion.
  • Sauerstoff und blutverdünnende Therapie unter stationären Bedingungen.
  • In ausgewählten Zentren: Lysetherapie mit einem gerinnselauflösenden Medikament.

Langfristige Behandlung

Nach der Akutphase steht die Ursachenbehandlung im Vordergrund. Bluthochdruck wird konsequent eingestellt, Cholesterinwerte gesenkt, Vorhofflimmern gerinnungshemmend behandelt. Ohne diese sekundärpräventive Therapie ist das Risiko für einen weiteren Infarkt oder einen Schlaganfall stark erhöht.

Prognose und Erholung

Die Prognose hängt davon ab, welches Gefäß betroffen ist und wie schnell behandelt wurde. Bei einem kompletten Zentralarterienverschluss bleibt in vielen Fällen eine dauerhafte Sehminderung zurück. Bei Astverschlüssen und Venenverschlüssen sind die Aussichten oft günstiger.

Wichtig zu wissen: Etwa ein Viertel aller Patienten mit einem Augeninfarkt hat innerhalb der folgenden Jahre ein weiteres kardiovaskuläres Ereignis. Eine engmaschige internistische Nachsorge ist deshalb Pflicht, nicht Kür.

Augeninfarkt, TIA oder Migräneaura: So unterscheiden Sie

Nicht jede Sehstörung ist ein Augeninfarkt. Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Einordnung, ersetzt aber niemals die ärztliche Untersuchung:

  • Augeninfarkt: Plötzlich, einseitig, meist schmerzlos, oft ein grauer Vorhang. Dauer: bleibt bestehen bis zur Therapie.
  • Amaurosis fugax: Plötzlich, einseitig, schmerzlos, verschwindet nach Sekunden bis Minuten. Immer als Warnsignal ernst nehmen.
  • Migräneaura: Beidseitig, wandernde Flimmerbögen, Zickzacklinien, Dauer 20 bis 30 Minuten.
  • Netzhautablösung: Blitze, viele neue Punkte, wachsender Schatten. Zeitkritisch, aber nicht der klassische Vorhang von einer Sekunde auf die andere.
  • Glaukomanfall: Starker Augenschmerz, verschwommenes Sehen, Übelkeit, hartes Auge. Ebenfalls Notfall.

Wenn Sie unsicher sind, welches Muster Sie erleben, gilt eine einfache Regel: Ein plötzlicher, einseitiger Sehverlust gehört immer und ohne Verzögerung in eine Augenklinik.

So verhalten Sie sich richtig im Notfall

Zeit ist bei einem Augeninfarkt der wichtigste Faktor. Diese Schritte sind sinnvoll, sobald der Verdacht besteht:

  • Ruhig bleiben und ein Auge nach dem anderen abdecken, um zu prüfen, welches Auge betroffen ist.
  • Nichts essen oder trinken, falls in der Klinik eine Untersuchung mit Kontrastmittel oder eine Lyse geplant wird.
  • Nicht selbst fahren. Lassen Sie sich fahren oder rufen Sie einen Rettungsdienst.
  • Medikamentenliste mitnehmen, damit die Klinik die Blutverdünnung sofort beurteilen kann.
  • Vertrauensperson informieren, damit im Anschluss die Nachsorge organisiert werden kann.

Bewahren Sie außerdem den Notruf 112 im Kopf. Bei Kombination aus Sehverlust und weiteren neurologischen Symptomen ist er die schnellste und sicherste Option.

Wie können Sie einem Augeninfarkt vorbeugen?

Vorbeugung ist möglich und beginnt bei den klassischen Herz-Kreislauf-Faktoren. Folgende Maßnahmen senken das Risiko messbar:

  • Blutdruck regelmäßig messen und Zielwerte unter 140/90 mmHg einhalten.
  • Blutzucker und HbA1c bei Diabetes engmaschig kontrollieren.
  • Nichtrauchen oder konsequenter Rauchstopp.
  • Cholesterinwerte im Zielbereich halten, bei Bedarf mit Statinen.
  • Regelmäßige Bewegung: 150 Minuten pro Woche moderate Aktivität.
  • Jährliche augenärztliche Untersuchung ab 40, bei Risikofaktoren früher.

Wer bereits weiß, dass Grunderkrankungen der Netzhaut vorliegen, sollte diese engmaschig kontrollieren lassen. Auch bekannte Erkrankungen der Hornhaut oder eine bereits diagnostizierte Netzhauterkrankung erhöhen die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen. Bei einer geplanten Kataraktoperation werden die Gefäße routinemäßig mituntersucht.

Haufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie erkenne ich einen Augeninfarkt schnell?

Typisch ist ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge. Er fühlt sich an wie ein Vorhang oder ein Schleier vor dem Auge. Wer diese Symptome bemerkt, sollte sofort in eine Augenklinik oder in die Notaufnahme, im Zweifel per Notarzt. Jede Minute zählt für die Rettung des Sehvermögens.

Ist ein Augeninfarkt schmerzhaft?

Nein, in der Regel nicht. Der fehlende Schmerz ist charakteristisch und leider auch ein Grund, warum viele Betroffene erst zu spät reagieren. Wenn zusätzlich starke Kopfschmerzen an den Schläfen bestehen, kann eine Arteriitis vorliegen, die ebenfalls ein Notfall ist.

Wie lange darf ich warten, bevor ich in die Klinik gehe?

Idealerweise gar nicht. Die besten Chancen bestehen innerhalb der ersten 90 Minuten. Nach vier bis sechs Stunden sinken die Aussichten auf eine vollständige Erholung deutlich. Wählen Sie im Zweifel den Notarzt (112).

Kann sich das Sehvermögen nach einem Augeninfarkt erholen?

Teilweise, ja. Bei rascher Behandlung und günstiger Verschlusslage kann sich die Sehschärfe messbar bessern. Bei einem vollständigen Zentralarterienverschluss ohne rechtzeitige Therapie bleibt jedoch häufig eine dauerhafte Sehminderung zurück.

Erhöht ein Augeninfarkt das Schlaganfall-Risiko?

Ja, deutlich. Ein Augeninfarkt gilt als Vorbote eines Schlaganfalls, weil beide Krankheitsbilder auf denselben Mechanismen beruhen. Nach dem Ereignis ist eine internistische und neurologische Abklärung inklusive Halsgefäßen und Herz unerlässlich.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Vorhofflimmern, hohem Cholesterin oder Nikotinkonsum. Auch das Alter spielt eine Rolle: Die meisten Fälle treten jenseits des 60. Lebensjahres auf. Bei jüngeren Patienten kommen Gerinnungsstörungen oder eine Riesenzellarteriitis als Ursache in Betracht.

Nachsorge: Was nach dem Ereignis wichtig ist

Ein überstandener Augeninfarkt ist ein Wendepunkt. Der erste Schritt ist die konsequente medikamentöse Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin. Der zweite Schritt betrifft den Lebensstil: Bewegung, Ernährung und Rauchstopp verändern die Prognose messbar. Dazu kommen regelmäßige augenärztliche Kontrollen, meistens im Abstand von drei bis sechs Monaten in den ersten zwei Jahren.

Wichtig ist, dass Patienten und Angehörige die Bedeutung dieser Nachsorge verstehen. Etwa jeder vierte Betroffene erleidet innerhalb von fünf Jahren ein weiteres kardiovaskuläres Ereignis. Mit einer strukturierten Nachsorge lässt sich dieses Risiko messbar reduzieren. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, Kardiologen oder Neurologen darüber, wer welche Kontrollen übernimmt.

Fazit: Ein Notfall, der jede Minute zählt

Ein Augeninfarkt ist ein Notfall auf demselben Niveau wie ein Schlaganfall. Wer plötzlich einseitig schlechter oder gar nicht mehr sieht, sollte nicht abwarten, sondern sofort in eine Augenklinik. Selbst wenn sich das Sehen kurz erholt, kann das nächste Ereignis den bleibenden Schaden bringen. Wichtig ist außerdem die konsequente Behandlung der Risikofaktoren, um weitere Ereignisse zu verhindern.

Die spezialisierten Augenzentren von Aumedica in Köln bieten Ihnen moderne Diagnostik und eine ganzheitliche Betreuung Ihrer Augengesundheit. Ob Vorsorge, Netzhautkontrolle oder Beratung zur refraktive Chirurgie: Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen. Vereinbaren Sie einen Termin bei Augenlasern und lassen Sie Ihre Augen gründlich untersuchen.

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

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