Kataraktoperation: Ablauf, Linsentypen und was Sie vorher wissen sollten

Inhaltsverzeichnis

Der Graue Star gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen weltweit. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 800.000 Menschen daran. Die Kataraktoperation ist nicht nur der häufigste ophthalmologische Eingriff, sie ist auch einer der sichersten überhaupt. Wer den Eingriff vor sich hat, fragt sich trotzdem: Was passiert dabei genau? Welche Linse ist die richtige? Und wann ist man wieder fit?

Was ist Katarakt (Grauer Star)?

Katarakt bezeichnet die Eintrübung der natürlichen Augenlinse. Die Linse besteht aus Proteinen, die mit zunehmendem Alter verklumpen und die Linse trüb werden lassen. Das Ergebnis: Sehen wie durch Milchglas, reduzierte Kontrastsensitivität, Blendempfindlichkeit und farbliches Verblassen.

Katarakt entwickelt sich schleichend, meist ab dem 60. Lebensjahr. Risikofaktoren sind UV-Strahlung, Diabetes, bestimmte Medikamente (vor allem Kortison) sowie erbliche Veranlagung.

Ablauf der Kataraktoperation

Die Operation dauert in der Regel 15 bis 20 Minuten pro Auge. Sie wird ambulant durchgeführt, das heißt: kein Krankenhausaufenthalt. Beide Augen werden üblicherweise in getrennten Terminen behandelt, mit einem Abstand von ein bis zwei Wochen.

Schritt 1: Vorbereitung

Das Auge wird mit Augentropfen betäubt. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Der Patient ist wach, spürt aber nichts.

Schritt 2: Einschnitt

Der Chirurg macht einen winzigen Schnitt von etwa 2 mm an der Hornhautperipherie. Dieser Schnitt schließt sich nach dem Eingriff meist von selbst.

Schritt 3: Entfernung der getrübten Linse

Durch Ultraschall (Phakoemulsifikation) wird die trübe Linse zerkleinert und abgesaugt. Die Linsenkapsel bleibt dabei erhalten. Sie dient später als Träger für die Kunstlinse.

Schritt 4: Einsetzen der Kunstlinse

Die neue Kunstlinse wird gefaltet in die verbliebene Linsenkapsel eingeführt und entfaltet sich dort selbst. Sie ist aus Acryl oder Silikon und verbleibt dauerhaft im Auge.

Schritt 5: Abschluss

Der Schnitt wird in der Regel nicht genäht. Eine Augenschutzklappe schützt das Auge nach dem Eingriff.

Katarakt Linsentypen: Welche Kunstlinse ist die richtige?

Die Wahl der Kunstlinse ist eine der wichtigsten Entscheidungen vor der Kataraktoperation. Nicht jede Linse passt zu jedem Lebensstil.

Monofokale Linsen

Monofokale Linsen korrigieren das Sehen auf eine Entfernung, meist auf die Ferne. Für das Nahsehen wird anschließend eine Lesebrille benötigt. Diese Linsen sind Standard und werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Multifokale Linsen

Multifokale Linsen haben mehrere Brennpunkte. Sie ermöglichen scharfes Sehen auf Nah-, Zwischen- und Ferndistanz ohne Brille. Viele Patienten berichten von einer hohen Zufriedenheit. Allerdings kann es anfangs zu Halos (Lichtringen) und Blendphänomenen kommen, die sich meist innerhalb weniger Monate reduzieren.

Diese Linsen sind als Privatleistung zuzuzahlen.

Torische Linsen

Torische Linsen korrigieren zusätzlich eine bestehende Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Sie sind für Patienten geeignet, die auch vor dem Katarakt eine Brille wegen Astigmatismus getragen haben.

EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus)

EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus) bieten einen erweiterten Tiefenschärfebereich. Sie erzeugen weniger Halos als klassische Multifokale, ermöglichen aber vor allem gutes Zwischen- und Fernsehen. Für intensive Naharbeit (z. B. Feinhandwerk, sehr kleine Schrift) kann eine Lesebrille dennoch hilfreich sein.

Lichtanpassende Linsen (Light Adjustable Lens)

Lichtanpassende Linsen (Light Adjustable Lens, LAL) können nach der Implantation durch UV-Licht in ihrer Brechkraft nachjustiert werden. Das ermöglicht eine sehr präzise Endkorrektur und ist besonders für Patienten geeignet, bei denen die Vorhersage schwierig ist.

Heilung und Nachsorge

In den ersten Tagen nach der Operation ist das Sehen noch unscharf oder leicht verschwommen. Das ist normal. Die Kunstlinse sitzt sofort, aber das Gehirn braucht Zeit, sich anzupassen.

Nachsorge-Tipps:

  • Augentropfen (Antibiotika und entzündungshemmend) für zwei bis vier Wochen

  • Kein Reiben der Augen in den ersten Wochen

  • Kein Schwimmen oder Saunabesuch für drei bis vier Wochen

  • Sonnenschutz mit UV-Schutzbrille

Die volle Sehstabilität stellt sich meist nach vier bis acht Wochen ein. Ein neues Brillenrezept sollte erst dann ausgestellt werden.

Kataraktoperation und Augenlasern

Manche Patienten fragen, ob nach einer Kataraktoperation noch ein Augenlasern möglich ist. In bestimmten Fällen ja: wenn nach dem Eingriff noch eine Restfehlsichtigkeit besteht, kann eine Laserkorrektur in Betracht gezogen werden. Dazu mehr im Beitrag Augen lasern nach Grauer-Star-OP.

Kosten und Kassenleistung

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kataraktoperation mit einer Standard-Monofokalen-Linse vollständig. Premium-Linsen (multifokal, toric, EDOF, LAL) sind Mehrleistungen und werden privat abgerechnet. Die Zuzahlung liegt je nach Linsentyp zwischen 500 und 2.500 Euro pro Auge.

Wer privat versichert ist, sollte die genauen Leistungen im Tarif prüfen. Viele private Kassen erstatten auch Premiumlinsen.

Häufige Fragen zur Kataraktoperation (FAQ)

Wie lange dauert die Kataraktoperation?

Der Eingriff selbst dauert 15 bis 20 Minuten. Mit Vor- und Nachbereitung sollten Patienten etwa 2 bis 3 Stunden einplanen.

Ist die Kataraktoperation schmerzhaft?

Nein. Das Auge wird mit Tropfen betäubt. Es kann ein leichtes Druckgefühl geben, aber keine Schmerzen. Nach dem Eingriff ist ein leichtes Fremdkörpergefühl für einige Stunden möglich.

Kann der Graue Star nach der Operation wiederkommen?

Die entfernte Linse wächst nicht nach. Bei einem Teil der Patienten (ca. 20 bis 30 %) kann die Linsenkapsel eintrüben, was als Nachstar bezeichnet wird. Das lässt sich mit einem kurzen Lasereingriff (YAG-Laser-Kapsulotomie) problemlos beheben.

Welche Katarakt-Linsentypen werden von der Krankenkasse bezahlt?

Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt für die Standard-Monofokale-Linse. Multifokale, torische und EDOF-Linsen sind privat zu zahlen.

Wie lange braucht man nach der Kataraktoperation krankgeschrieben?

Bei Bürotätigkeit reichen oft drei bis fünf Tage. Bei körperlicher Arbeit oder Arbeit in staubiger Umgebung empfehlen Ärzte ein bis zwei Wochen Pause.

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor & Facharzt

Dr. med. Kadir Kocadag

Facharzt für Augenheilkunde · Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

Alle Artikel ansehen

Wir sind für dich da

Buch dir jetzt dein unverbindliches Beratungsgespräch