Erkrankungen der Hornhaut: Überblick, Anzeichen, Behandlung

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Die Hornhaut ist die klare Vorderseite des Auges und übernimmt etwa zwei Drittel der gesamten Brechkraft. Sie hat keine Blutgefäße und bezieht ihre Nährstoffe aus dem Tränenfilm und dem Kammerwasser. Weil sie so exponiert und zugleich so empfindlich ist, betreffen viele Augenerkrankungen genau diese wenige Millimeter dünne Schicht.

Aufbau und Funktion

Die Hornhaut ist im Zentrum rund 0,5 Millimeter dick und besteht aus mehreren Schichten. Außen liegt das Epithel, eine regenerationsfähige Deckschicht, die sich nach einer Verletzung innerhalb weniger Tage erneuert. Darunter folgt das Stroma, das den größten Teil der Dicke ausmacht und die Stabilität liefert. Innen liegt das Endothel, eine einlagige Zellschicht, die Flüssigkeit aus der Hornhaut herauspumpt und sie dadurch klar hält.

Diese Arbeitsteilung erklärt vieles. Epithelverletzungen heilen von selbst. Stromale Veränderungen betreffen die Stabilität und damit die Frage, ob eine Laserkorrektur möglich ist. Endothelzellen dagegen regenerieren sich beim Menschen nicht, weshalb ihr Verlust dauerhaft ist.

Keratokonus

Beim Keratokonus dünnt die Hornhaut fortschreitend aus und wölbt sich kegelförmig vor. Typischerweise beginnt das in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Kennzeichnend ist eine Sehstärke, die sich häufig ändert, verbunden mit einer zunehmenden und unregelmäßigen Hornhautverkrümmung. Wer jedes Jahr eine neue Brille braucht und trotzdem nicht zufrieden sieht, sollte daran denken lassen.

Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium. Im Frühstadium steht das Aufhalten des Fortschreitens im Vordergrund, wofür eine Hornhautvernetzung infrage kommt: Riboflavin und UV-A-Licht verstärken die Quervernetzung der Kollagenfasern und stabilisieren das Gewebe. Für die Sehkorrektur werden meist formstabile Kontaktlinsen eingesetzt. In fortgeschrittenen Fällen kann eine Hornhauttransplantation nötig werden.

Für den refraktiven Bereich ist der Keratokonus die wichtigste Ausschlussdiagnose überhaupt. Eine klassische Laserkorrektur würde die ohnehin geschwächte Hornhaut weiter ausdünnen. Genau deshalb gehören Topographie und Tomographie zu jeder Voruntersuchung, auch wenn keinerlei Beschwerden bestehen.

Keratitis: Entzündungen der Hornhaut

Eine Keratitis ist eine Entzündung der Hornhaut und in jedem Fall ein Grund, zeitnah eine augenärztliche Praxis aufzusuchen. Die Ursachen reichen von Bakterien und Viren bis zu Pilzen und Amöben. Bei Kontaktlinsentragenden ist die bakterielle Form die häufigste, meist begünstigt durch zu lange Tragezeiten oder mangelnde Hygiene.

Warnzeichen sind Schmerzen, ein deutlich gerötetes Auge, Lichtempfindlichkeit und eine Sehverschlechterung. Eine besondere Rolle spielt die Herpes-Keratitis, die zu Rückfällen neigt und Narben hinterlassen kann. Wer Kontaktlinsen trägt und diese Symptome bemerkt, sollte die Linsen sofort herausnehmen und nicht abwarten.

Hornhautdystrophien

Dystrophien sind erblich bedingte, meist beidseitige Veränderungen, die sich langsam entwickeln. Sie werden nach der betroffenen Schicht eingeteilt. Die bekannteste ist die Fuchs-Endotheldystrophie, bei der Endothelzellen zugrunde gehen. Weil die Pumpfunktion nachlässt, lagert die Hornhaut Wasser ein und trübt sich ein. Ein typisches Frühzeichen ist verschwommenes Sehen am Morgen, das sich im Tagesverlauf bessert.

Im Verlauf kann eine Transplantation der inneren Schichten erforderlich werden. Für refraktive Eingriffe ist eine Endotheldystrophie ein Grund zur Zurückhaltung, weil jeder intraokulare Eingriff Endothelzellen kostet.

Degenerationen und Narben

Degenerationen entstehen im Lauf des Lebens, häufig unter dem Einfluss von UV-Licht. Das Pterygium, ein flügelförmiges Gewebe, das vom Lidwinkel auf die Hornhaut wächst, ist die bekannteste Form; wächst es Richtung Zentrum, wird es operativ entfernt. Der Arcus senilis, ein grauer Ring am Hornhautrand, ist dagegen harmlos.

Narben entstehen nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen. Ob sie das Sehen beeinträchtigen, hängt fast ausschließlich von ihrer Lage ab: Eine kleine zentrale Narbe stört mehr als eine große am Rand. Je nach Tiefe kommen eine phototherapeutische Keratektomie, formstabile Kontaktlinsen oder eine Transplantation infrage.

Hornhauttransplantation

Wenn die Hornhaut ihre Klarheit oder Form nicht mehr aufrechterhalten kann, ist eine Transplantation die verbleibende Option. Heute wird meist nur die erkrankte Schicht ersetzt statt der gesamten Hornhaut. Das schont gesundes Gewebe und verkürzt die Heilung. Weil die Hornhaut keine Blutgefäße hat, sind Abstoßungsreaktionen seltener als bei anderen Transplantationen.

Wann Sie zeitnah abklären lassen sollten

  • Plötzliche Sehverschlechterung auf einem Auge
  • Schmerzen im Auge zusammen mit Rötung und Lichtempfindlichkeit
  • Sehstärke, die sich innerhalb eines Jahres mehrfach deutlich ändert
  • Verschwommenes Sehen am Morgen, das sich tagsüber bessert
  • Beschwerden unter Kontaktlinsen, die nach dem Herausnehmen nicht verschwinden

Kostenlose Erstberatung vereinbaren: 0221 29798663 oder info@aumedica.de · Aumedica, Heumarkt 43, 50667 Köln

Häufige Fragen

Kann man mit Keratokonus die Augen lasern lassen?

Eine klassische Laserkorrektur ist bei Keratokonus nicht geeignet, weil sie die ohnehin geschwächte Hornhaut weiter ausdünnen würde. Im Vordergrund steht stattdessen die Stabilisierung, etwa durch eine Hornhautvernetzung. Deshalb schließt jede Voruntersuchung einen Keratokonus gezielt aus.

Heilt eine Hornhautverletzung von selbst?

Oberflächliche Verletzungen des Epithels heilen meist innerhalb weniger Tage folgenlos ab. Tiefere Verletzungen, die das Stroma betreffen, können Narben hinterlassen. Bei Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung sollte immer augenärztlich abgeklärt werden.

Woran erkenne ich einen Keratokonus?

Typisch sind eine sich häufig ändernde Sehstärke, eine zunehmende Hornhautverkrümmung und verzerrtes Sehen, das sich mit Brille nicht vollständig korrigieren lässt. Gesichert wird die Diagnose über eine Hornhauttopographie.

Sind Hornhauterkrankungen erblich?

Manche ja. Dystrophien sind definitionsgemäß erblich, und auch beim Keratokonus gibt es eine familiäre Häufung. Entzündungen und Degenerationen sind dagegen überwiegend erworben.

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

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