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Die Hornhaut ist die klare, durchsichtige Schicht an der Vorderseite des Auges. Sie ist nicht nur ein optisches Element, das etwa zwei Drittel der Lichtbrechung des Auges übernimmt, sondern auch eine Schutzbarriere. Erkrankungen der Hornhaut können das Sehen erheblich beeinträchtigen und sind häufiger als viele denken.
Aufbau und Funktion der Hornhaut
Die Hornhaut besteht aus fünf Schichten. Von außen nach innen: Epithel, Bowman-Membran, Stroma, Descemet-Membran und Endothel. Jede Schicht hat eine spezifische Funktion. Das Epithel schützt und regeneriert sich rasch. Das Stroma macht etwa 90 Prozent der Hornhautdicke aus und bestimmt die Transparenz. Das Endothel hält die Hornhaut durch aktiven Ionentransport trocken und damit klar.
Die durchschnittliche Hornhautdicke beträgt beim gesunden Erwachsenen etwa 540 Mikrometer in der Mitte.
Keratokonus: die häufigste ektaktische Hornhauterkrankung
Keratokonus ist eine Erkrankung, bei der die Hornhaut sich progressiv ausdünnt und konisch nach vorne wölbt. Sie beginnt meist in der Pubertät und schreitet bis ins dritte Lebensjahrzehnt fort. Betroffen sind weltweit etwa 1 von 2.000 Menschen, in manchen ethnischen Gruppen häufiger.
Symptome sind zunehmende Kurzsichtigkeit, Astigmatismus und Verzerrungen, die mit normalen Brillen schlecht zu korrigieren sind. Im fortgeschrittenen Stadium können nur noch formstabile Kontaktlinsen oder spezielle Sonderlinsen das Sehen verbessern.
Die wichtigste therapeutische Maßnahme zur Progressionshemmung ist das Corneal Cross-Linking. Die genauen Abläufe und Nebenwirkungen sind im Beitrag zum Corneal Cross-Linking beschrieben.
Ob trotz Keratokonus eine Laserkorrektur möglich ist, hängt vom Stadium und der Stabilität der Hornhaut ab. Weitere Informationen dazu im Beitrag Augenlasern bei Hornhautverkrümmung.
Hornhautentzündung (Keratitis)
Keratitis bezeichnet eine Entzündung der Hornhaut. Die häufigsten Formen:
Infektiöse Keratitis:Bakteriell: besonders bei Kontaktlinsenträgern; häufige Erreger sind Pseudomonas aeruginosa und Staphylokokken
Viral: Herpes-simplex-Keratitis ist die häufigste infektiöse Hornhauterkrankung in Deutschland; sie kann chronisch verlaufen und die Hornhaut narben
Pilzkeratitis (Mykotisch): selten in Deutschland, häufiger in tropischen Regionen; oft nach Vegetationsverletzungen
Akanthamöben-Keratitis: selten, aber schwer behandelbar; Risikofaktor ist das Schwimmen mit Kontaktlinsen
Trockene Keratitis (Keratokonjunktivitis sicca)
Neurotrophische Keratitis: durch gestörte Hornhautinnervation, z. B. nach Herpesinfektion oder Hirnnervenläsion
UV-Keratitis: Hornhautverbrennung durch UV-Strahlung (Schneeblindheit, Schweißerbogen)
Symptome einer Keratitis sind Augenschmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss und Sehverschlechterung. Jede Keratitis ist ein augenärztlicher Notfall.
Hornhautdystrophien
Hornhautdystrophien sind genetisch bedingte, bilaterale (beide Augen betreffende) Erkrankungen der Hornhaut. Sie verlaufen meistens progressiv. Es gibt über 20 klassifizierte Dystrophien, die nach betroffener Schicht eingeteilt werden.
Fuchssche Endotheldystrophie:Eine der häufigsten Hornhautdystrophien. Das Endothel verliert mit der Zeit Zellen und kann die Hornhaut nicht mehr ausreichend entwässern. Die Folge ist eine Quellung (Ödem) der Hornhaut mit zunehmender Sehverschlechterung und typischen Morgenbeschwerden. Therapie im Endstadium ist die Hornhauttransplantation (DSAEK, DMEK).
Granulare Dystrophie und gitterförmige Dystrophie:Ablagerungen im Hornhautstroma, sichtbar als Trübungen, die das Sehen mit der Zeit beeinträchtigen.
Meesmannsche Hornhautdystrophie:Epitheliale Dystrophie, meist mit mildem Verlauf.
Hornhautdegeneration
Im Unterschied zu Dystrophien sind Degenerationen in der Regel nicht genetisch und oft einseitig. Beispiele:
Arcus senilis:Weißlich-grauer Ring am Hornhautrand bei älteren Menschen, entsteht durch Fettablagerungen. Kein Sehverlust, keine Behandlung nötig.
Pellucide marginale Degeneration (PMD):Eine Ausdünnung der unteren Hornhautperipherie, die zu unregelmäßigem Astigmatismus führt. Ähnlich wie Keratokonus, aber anderer Ort.
Pterygium:Flügelförmiges Bindegewebewachstum von der Bindehaut auf die Hornhaut; entstehend durch UV-Exposition und Trockenheit. Bei Beeinträchtigung der Sehachse operative Entfernung.
Hornhautnarben und -trübungen
Hornhautnarben entstehen nach Infektionen, Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen. Je nach Lage und Tiefe können sie das Sehen stark beeinträchtigen. Flache Narben im Bereich der Sehachse können das Sehen stärker beeinflussen als tiefe, randständige Narben.
Therapiemöglichkeiten:
Phototherapeutische Keratektomie (PTK) mit dem Excimer-Laser: für oberflächliche Narben
Lamellare oder perforierende Hornhauttransplantation: für tiefe, ausgedehnte Narben
Hornhauttransplantation (Keratoplastik)
Wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen, ist eine Hornhauttransplantation die letzte Option. Deutschland verfügt über gut ausgebaute Hornhautbanken. Die häufig verwendeten Techniken:
- Perforierende Keratoplastik:
alle Schichten der Hornhaut werden ersetzt; Standardmethode seit Jahrzehnten
- DSAEK (Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty):
nur die Endothelschicht wird ersetzt; weniger invasiv, schnellere Rehabilitation
- DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty):
noch präzisere Endothelersatzoperation; beste Sehqualität, technisch anspruchsvoller
Die Abstoßungsrate bei Hornhauttransplantationen ist deutlich geringer als bei anderen Organtransplantationen, da die Hornhaut kein eigenes Blutgefäßsystem hat.
Häufige Fragen zu Erkrankungen der Hornhaut (FAQ)
Was sind typische Symptome bei Hornhauterkrankungen?Sehverschlechterung, Verzerrungen, Lichtempfindlichkeit, Augenschmerzen und Rötung sind häufige Symptome. Je nach Erkrankung und Schweregrad können die Beschwerden stark variieren.
Ist Keratokonus heilbar?Keratokonus ist bisher nicht heilbar. Das Cross-Linking kann die Progression stoppen. Im fortgeschrittenen Stadium hilft eine Hornhauttransplantation, das Sehen wiederherzustellen.
Kann man bei Hornhauterkrankungen lasern?Das hängt stark von der Erkrankung und ihrem Stadium ab. Bei aktivem Keratokonus ist Lasern in der Regel nicht möglich. Nach Stabilisierung durch Cross-Linking können in bestimmten Fällen Restfehlsichtigkeiten korrigiert werden. Ein Voruntersuchungsgespräch ist unbedingt erforderlich.
Wie entsteht eine Hornhautentzündung?Häufige Ursachen sind Bakterien, Viren (besonders Herpes simplex), Pilze oder Parasiten. Begünstigende Faktoren sind Kontaktlinsenträger ohne ausreichende Hygiene, Traumata und geschwächtes Immunsystem.


