Trockene Augen: Ursachen, Symptome und was wirklich hilft

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Trockene Augen sind das häufigste Augenproblem in Praxen und Notaufnahmen. Rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind betroffen, Tendenz steigend. Bildschirme, trockene Raumluft und Kontaktlinsen spielen dabei eine Rolle. Aber auch Hormonschwankungen, bestimmte Medikamente und Autoimmunerkrankungen.

Was genau passiert beim trockenen Auge, wie erkennt man es und was hilft wirklich?

Was sind trockene Augen?

Trockene Augen entstehen, wenn der Tränenfilm des Auges gestört ist. Entweder produziert die Tränendrüse zu wenig Tränenflüssigkeit (wässrige Schicht), oder die Verdunstung des Tränenfilms ist zu hoch, weil die Lipidschicht des Films insuffizient ist.

Medizinisch wird das als „Keratokonjunktivitis sicca“ bezeichnet. Es ist keine reine Unannehmlichkeit, sondern eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Chronische Fälle können die Hornhaut dauerhaft schädigen.

Trockene Augen: Symptome erkennen

Die Symptome trockener Augen sind vielfältig und werden oft falsch eingeschätzt.

Typische Symptome:

  • Brennen oder Stechen in den Augen

  • Sandkorngefühl oder Fremdkörpergefühl

  • Gerötete Augen, besonders am Abend

  • Verschwommenes Sehen, das sich durch Blinzeln kurz verbessert

  • Lichtempfindlichkeit

  • Paradoxes Tränen: Wässrige Augen können auf trockene Augen hinweisen, weil das Auge reflexartig Tränen produziert

Trockenes Auge einseitig:

Wenn nur ein Auge betroffen ist, kann das auf eine lokale Ursache hinweisen: z. B. ein verstopfter Tränenkanal, eine Lidfehlstellung oder ein lokaler Entzündungsprozess. Bei einseitigen Symptomen sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.

Brennende Augen verschwommenes Sehen:

Diese Kombination ist ein klassisches Zeichen für trockene Augen. Das verschwommene Sehen entsteht, weil der Tränenfilm die Hornhautoberfläche nicht gleichmäßig bedeckt.

Ursachen: Warum werden Augen trocken?

Äußere Faktoren

  • Bildschirmarbeit: Beim Starren auf Monitore blinzelt man bis zu 70 % seltener als normal

  • Klimaanlagen und Heizungsluft trocknen die Raumluft aus

  • Kontaktlinsen erhöhen die Verdunstungsrate des Tränenfilms erheblich

  • Zugluft und Wind

  • UV-Strahlung

Medizinische Ursachen

  • Hormonelle Veränderungen (Wechseljahre, Pille)

  • Medikamente: Antihistaminika, Betablocker, Antidepressiva, Diuretika reduzieren die Tränenproduktion

  • Autoimmunerkrankungen wie Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis

  • Diabetische Neuropathie

  • Zu wenig Trinken: Symptome, die die Augen betreffen, können auf Dehydration zurückgehen. Die Augen reagieren auf allgemeinen Flüssigkeitsmangel mit reduzierter Tränenproduktion.

Trockene Augen nach Augenlasern

Nach einer refraktiven Laserkorrektur (LASIK, Trans-PRK) kann vorübergehend ein trockenes Auge entstehen. Nervenäste der Hornhaut werden beim Eingriff durchtrennt und regenerieren sich in den Wochen nach der OP. Das ist gut dokumentiert und in der Regel reversibel. Mehr dazu im Beitrag Augenlasern und Trockenheit.

Extrem trockene Augen: Wann ist es ernst?

Extrem trockene Augen, die auf Augentropfen nicht reagieren, ein chronisches Verlaufsmuster zeigen oder mit starker Rötung und Schmerzen verbunden sind, können auf eine Grunderkrankung hinweisen. Chronische Lidrandentzündung (Blepharitis) ist ebenfalls eine häufige Ursache, die eigenständig behandelt werden muss.

Zeichen für einen dringenden Arzttermin:

 

  • Sehverschlechterung trotz Augentropfen

  • Starke Rötung mit Ausfluss

  • Schmerzen, die nicht nachlassen

  • Einseitige Symptome ohne erkennbaren Auslöser

Chronisch trockene Augen: heilbar?

Chronisch trockene Augen sind in vielen Fällen nicht vollständig heilbar, aber sehr gut behandelbar. Das Ziel ist Beschwerdefreiheit und Schutz der Hornhautoberfläche.

Bei behandelbaren Grundursachen (z. B. Medikamentenwechsel, Schilddrüsenkorrektur) kann sich das trockene Auge vollständig zurückbilden. Bei strukturellen Ursachen (Sjögren, Lidfehlstellung) ist eine langfristige Behandlung nötig.

Was hilft gegen trockene Augen?

Künstliche Tränen (Augentropfen)

Augentropfen zur Benetzung der Hornhaut sind die erste Maßnahme. Produkte auf Hyaluronsäure- oder Carbomer-Basis sind gut verträglich und ausgiebig getestet. Wichtig: Konservierungsmittelfreie Einzeldosen verwenden, wenn täglich mehrfach getropft wird.

Wärmebehandlung und Lidmassage

Wärme-Augenmasken und Lidrandmassagen verbessern die Funktion der Meibom-Drüsen, die für die Lipidschicht des Tränenfilms verantwortlich sind. Diese Therapie ist besonders wirksam bei evaporativer (verdunstungsbedingter) Trockenheit.

Omega-3-Fettsäuren

Studien zeigen, dass Omega-3-Supplementierung die Tränenfilmqualität verbessern kann. Eine ausgewogene Ernährung mit fettem Fisch oder entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln ist sinnvoll.

Medikamentöse Behandlung

Bei entzündlichen Formen des trockenen Auges kommen entzündungshemmende Augentropfen (Cyclosporin A, Lifitegrast) zum Einsatz. Diese sind verschreibungspflichtig und werden nach Diagnose vom Augenarzt verordnet.

Tränenkanalplugs (Punctum Plugs)

Kleine Silikonpfropfen, die in die Tränenkanäle eingesetzt werden, reduzieren den Abfluss der Tränenflüssigkeit. Die eigenen Tränen verbleiben länger auf der Augenoberfläche.

Verhaltensänderungen

  • Regelmäßig blinzeln, besonders bei Bildschirmarbeit

  • Raumluftbefeuchter in Innenräumen verwenden

  • Bildschirmhöhe anpassen: Bildschirm unterhalb der Augenhöhe reduziert das Öffnen der Lidspalte

  • 20-20-20-Regel: alle 20 Minuten 20 Sekunden auf etwas in 6 Metern Entfernung schauen

Häufige Fragen zu trockenen Augen (FAQ)

Was sind typische Symptome bei trockenen Augen?

Brennen, Sandkorngefühl, Rötung, verschwommenes Sehen und paradoxes Tränen sind häufige Symptome trockener Augen.

Was hilft bei trockenen Augen sofort?

Konservierungsmittelfreie Benetzungstropfen (künstliche Tränen) wirken sofort. Wärme auf den geschlossenen Augenlidern kann die Meibom-Drüsen in wenigen Minuten lösen.

Können zu wenig Trinken Symptome an den Augen verursachen?

Ja. Dehydration reduziert die Tränenproduktion. Wer täglich weniger als 1,5 bis 2 Liter trinkt, kann dadurch trockene oder gereizte Augen bekommen.

Sind chronisch trockene Augen heilbar?

In vielen Fällen nicht vollständig heilbar, aber dauerhaft gut behandelbar. Wenn eine Grunderkrankung vorliegt und behandelt wird, bessern sich die Symptome oft deutlich.

Kann ich mit trockenen Augen lasern lassen?

Das hängt vom Schweregrad ab. Leichte Trockenheit ist oft keine absolute Gegenanzeige, aber bei ausgeprägtem trockenem Auge muss die Behandlung vor dem Lasern stabilisiert werden. Die Voraussetzungen für das Augenlasern enthalten dazu genaue Informationen.

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor & Facharzt

Dr. med. Kadir Kocadag

Facharzt für Augenheilkunde · Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

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