Augenlaser mit Sedierung oder Vollnarkose: Ist das möglich?

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Für extreme Angstpatienten klingt der Gedanke verlockend: den Eingriff einfach verschlafen und aufwachen, wenn alles vorbei ist. Ob das möglich ist, welche Optionen es zwischen vollständiger Wachheit und Vollnarkose gibt und für wen diese Optionen tatsächlich geeignet sind, erklärt dieser Artikel.

Grundlage sind Behandlungsstandards der European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS) und klinische Protokolle aus der refraktiven Chirurgie.

Option 1: Leichtes Beruhigungsmittel (Standard bei Angstpatienten)

Die häufigste und medizinisch empfohlene Option für Angstpatienten ist ein leichtes Benzodiazepin, zum Beispiel Lorazepam 0,5 mg oder Diazepam 5 mg, eingenommen etwa 30 Minuten vor dem Eingriff. Der Patient bleibt wach und kooperationsfähig, erlebt aber einen Zustand entspannter Wachheit. Angst und motorische Unruhe werden deutlich reduziert.

Dies ist die Standardmaßnahme, die in den meisten Fällen vollständig ausreicht. Die Eye-Tracking-Leistung moderner Geräte wird durch diese Dosis nicht relevant beeinträchtigt.

Option 2: Moderate Sedierung (Dämmerschlaf)

Bei stärkerer Angst oder auf besonderen Wunsch kann eine moderate Sedierung durchgeführt werden. Der Patient befindet sich in einem Dämmerschlaf: bewusst genug, um auf Anweisungen zu reagieren, entspannt genug, um keine Angst zu erleben. Diese Option erfordert die Anwesenheit eines Anästhesisten und eine längere Vorbereitungszeit.

Moderate Sedierung ist nicht in jeder refraktiven Klinik standardmäßig verfügbar, da sie zusätzliche personelle und technische Anforderungen stellt. Sie ist jedoch in spezialisierten Zentren möglich und bei stark ängstlichen Patienten eine sinnvolle Option.

Option 3: Vollnarkose (selten, spezielle Indikation)

Augenlasern unter Vollnarkose ist medizinisch grundsätzlich möglich, aber die Ausnahme. Indikationen können sein: schwere, behandlungsresistente Panikstörung, relevante neurologische Erkrankungen, die eine Kooperation während des Eingriffs ausschliessen, oder vergleichbare Ausnahmesituationen.

Vollnarkose erfordert Nüchternheit vor dem Eingriff, einen Anästhesisten, ein größeres Aufwachzimmer und eine längere Erholungszeit. Das Narkoserisiko ist bei gesunden Patienten sehr gering, aber vorhanden. Für die große Mehrheit der Angstpatienten ist Vollnarkose eine Option, die weiter geht als nötig.

Wer benötigt wirklich Sedierung oder Narkose?

Die Realität: Über 90 Prozent der Angstpatienten kommen mit einem leichten Beruhigungsmittel, empathischer Begleitung und guter Vorbereitung sehr gut zurecht. Sedierung und Vollnarkose sind für eine Minderheit mit sehr starker, behandlungsresistenter Angst reserviert.

Die Grenze ist fliessend, und das Behandlungsteam wird mit Ihnen gemeinsam entscheiden, was die sinnvollste Option ist. Ausgangspunkt ist immer das offene Gespräch im Erstgespräch.

Praktische Hinweise bei Sedierung

  • Begleitperson ist Pflicht: Bei jeder Form der Sedierung benötigen Sie jemanden, der Sie nach Hause bringt.
  • Keine Nahrung bei Vollnarkose: Ihr Arzt informiert Sie über die notwendige Nüchternheit.
  • Autofahren verboten: Nach Beruhigungsmitteln und Sedierung sind Sie fahruntüchtiger.
  • Längere Nachruhezeit einplanen: Rechnen Sie je nach Option mit zwei bis sechs Stunden Nachruhezeit in der Klinik.

Über den Autor

Dr. med. Harun Akgul

Autor

Dr. med. Harun Akgul

Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. Harun Akgül ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für Makula-, Netzhaut- und Tumorerkrankungen sowie refraktive Chirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er mit Auszeichnung an der Universität Heidelberg, ergänzt durch eine Weiterbildung an der Harvard Medical School. Die fachärztliche Ausbildung sowie seine oberärztliche Tätigkeit führte er an der Universitätsaugenklinik Essen unter der Leitung von Prof. Dr. Bornfeld und Prof. Dr. Steuhl durch. Für seine Verdienste in der ophthalmologischen Chirurgie wurde er 2010 mit dem Dr.-Georg-Preis ausgezeichnet. Seit 2010 ist Dr. Akgül in Köln niedergelassen, seit 2015 zusätzlich in Solingen.

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