Augenlaser abbrechen: Was wirklich passiert – in jedem Szenario

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Eine der häufigsten Fragen von Angstpatienten lautet: „Was passiert, wenn ich es nicht schaffe? Wenn ich mitten im Eingriff aufhören will?“ Diese Frage ist legitim und verdient eine ehrliche, präzise Antwort – nicht eine beruhigende Standardantwort, sondern die medizinische Realität. Dieser Artikel erklärt alle Szenarien rund um das Abbrechen einer Augenlaseroperation.

Szenario 1: Abbruch vor dem Eingriff

Sie können bis zu dem Moment, in dem der Laser beginnt, den Eingriff jederzeit absagen. Das ist Ihr Recht als Patient, ohne Begründung und ohne Konsequenz für Ihre Gesundheit. Der einzige Unterschied: Eventuelle Vorauszahlungen oder Terminsgebühren können je nach Klinik und Vertrag anfallen. Sprechen Sie das im Vorgespräch an.

Szenario 2: Abbruch nach der Betäubung, vor dem Laser

Nach den Betäubungstropfen, aber vor dem ersten Lernschritt, ist ein Abbruch vollständig komplikationslos. Sie verlassen die Behandlungsliege, die Tropfen klingen ab, Ihre Augen sind unverändert. Es wurde keinerlei irreversibler Schritt vorgenommen.

Szenario 3: Abbruch nach dem Flap (bei LASIK), vor dem Excimerlaser

Dies ist der medizinisch komplexeste Fall beim LASIK-Eingriff. Wenn der Hornhaut Lappen erstellt wurde, der Excimerlaser aber noch nicht aktiviert war:

  • Der Flap kann zurückgeklappt und der Eingriff beendet werden
  • Der Flap heilt innerhalb von Wochen wieder, ohne dauerhaften Schaden
  • Die Sehstärke bleibt unverändert auf dem Wert vor dem Eingriff

In diesem Fall muss zwischen Operateur und Patient entschieden werden, ob der Eingriff an einem Folgetag abgeschlossen oder abgebrochen wird. Der Flap-Schritt muss dann nicht wiederholt werden.

Szenario 4: Abbruch während der Lernphase

Hier entscheidet die Methode:

Bei LASIK

Das Eye-Tracking-System stoppt den Laser automatisch, wenn eine zu große Augenbewegung erkannt wird. Eine manuelle Unterbrechung durch den Operateur ist jederzeit möglich. Eine teilweise abgetragene Hornhaut ohne abgeschlossenen Eingriff ist medizinisch unerwünscht. Je nach Situation kann der Operateur entscheiden, den verbleibenden Schritt sofort oder bei einem Folgetermin abzuschliessen.

Bei SMILE

Auch hier kann der Eingriff durch den Operateur gestoppt werden. Das noch nicht entfernte Lentikel kann in situ belassen werden, ohne unmittelbaren Schaden. Der Folgeeingriff wäre eine Entfernung des Lentikels.

Die European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) betonen, dass erfahrene Operateure mit Abbruch Situationen umgehen können und entsprechende Protokolle etabliert haben.

Wie verhindern gute Kliniken einen ungewollten Abbruch?

Seriöser Kliniken beugen einem Abbruch durch folgende Maßnahmen vor:

  • Ausführliches Vorgespräch mit Angst-Screening
  • Individuelles Anxiolyse-Angebot vor dem Eingriff
  • Kommunikation jeden Schritts während der OP
  • Vorabvereinbarung eines Stopp-Signals (z. B. Handzeichen)
  • Pause auf Anfrage bei psychischer Überforderung

Lesen Sie mehr zu Angst Vorbereitung: Angst vor dem Augenlasern.

Häufige Fragen zum Abbrechen

Kann ich als Angstpatient ein schriftliches Abbruch Recht verlangen?

Sie haben ohnehin das Recht, jeden medizinischen Eingriff abzulehnen oder zu unterbrechen. Das ist kein besonderes Recht, das vereinbart werden muss – es ist Grundrecht in der Medizin. Sie können es aber explizit im Gespräch bestätigen lassen.

Wird der Arzt ungehalten, wenn ich abbreche?

Ein professioneller Operateur wird das nicht tun. Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden haben Vorrang. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Arzt Ihnen gegenüber über keine Rücksicht auf Angst nimmt, ist das ein Hinweis auf fehlende Patientenorientierung.

Habe ich bei Abbruch Kosten zu tragen?

Das hängt vom Vertrag ab. Klären Sie das vor dem Eingriff. In der Regel sind Absagen bis zu einem bestimmten Zeitraum vor dem Termin kostenlos.

Über den Autor

Dr. phil. Oktay Keyik

Autor

Dr. phil. Oktay Keyik

Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. phil. (I) Oktay Keyik ist Leitender Optometrist und Refraktionist mit langjähriger Erfahrung in der Augenstärkenbestimmung und Führung von Augenoptikbetrieben. Sein Studium der Augenoptik und Optometrie absolvierte er an der HFAK Köln (Cologne School of Optometry). Als Fachbuchautor und Dozent an Institutionen wie der RWTH Aachen, der Universität Köln und der Universität Florenz gibt er sein Wissen auf nationaler und internationaler Ebene weiter. Seit 2011 ist er zudem als Prüfer im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer Köln tätig.

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