Ist Angst vor dem Augenlaser normal?

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Kurze Antwort: Ja, vollkommen. Wer vor einem Augenlaser-Eingriff nervös ist oder Angst hat, befindet sich in bester Gesellschaft. Metaanalysen aus der refraktiven Chirurgie zeigen, dass zwischen 30 und 50 Prozent aller Patienten vor dem Eingriff eine klinisch messbare Angst aufweisen. Unter den Patienten, die sich als Angstpatienten identifizieren, liegt die Rate noch höher.

Dieser Artikel erklärt, warum die Angst vor dem Augenlaser so häufig und so intensiv ist, was hinter ihr steckt und warum sie in den meisten Fällen kein Hindernis fuer den Eingriff darstellt.

Warum ist die Angst vor Augen besonders stark?

Augen nehmen im menschlichen Gehirn eine besondere Stellung ein. Ein großer Teil des Neokortex ist für die Verarbeitung visueller Informationen zuständig. Das Auge ist das einzige Sinnesorgan, das der Mensch aktiv schließen kann, aber nicht in jedem Moment schließen darf. Diese Schutzlosigkeit ist evolutionär kodiert und ausgeprägt.

Hinzu kommt die Kombination aus Wachheit während des Eingriffs und der Naehe des Instruments am Auge. Anders als bei einer Operation unter Vollnarkose ist man bewusst anwesend. Das aktiviert das Angst- und Alarmsystem des Gehirns auf eine Art, die vielen anderen elektiven Eingriffen fehlt.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Universitätsklinik Ulm und das Institut für Medizinische Psychologie der Universität Heidelberg haben perioperative Angst bei Augenoperationen mehrfach untersucht. Ergebnisse zeigen:

  • Patienten vor refraktiven Eingriffen zeigen höhere Angstwerte als vor vergleichbaren dermatologischen oder HNO-Eingriffen.
  • Die größte Angst Spitze tritt typischerweise 24 bis 48 Stunden vor dem Eingriff auf, nicht während des Eingriffs selbst.
  • Nach dem Eingriff berichteten die meisten Patienten, dass die Realität deutlich angenehmer war als die Erwartung.

Das bedeutet: Die Angst vor den Augen Lasern ist oft größer als die Behandlung selbst.

Was löst die Angst konkret aus?

Angst vor Schmerzen

Augenlasern ist in aller Regel schmerzfrei. Lokalanästhetische Augentropfen betäubt die Hornhautoberfläche innerhalb von Sekunden. Während des Eingriffs ist ein Druckgefühl möglich, jedoch kein Schmerz im eigentlichen Sinne.

Angst vor dem Kontrollverlust

Wach auf einem Tisch zu liegen, während etwas am eigenen Auge passiert, ist fuer viele Menschen das Unangenehmste am Eingriff. Dieses Gefühl ist völlig nachvollziehbar. Es hilft zu wissen: Der Eingriff kann auf Wunsch jederzeit unterbrochen werden. Kein Laser läuft gegen den Willen des Patienten.

Angst vor seltenen Komplikationen

Auch wenn die Sicherheitsstatistiken des Augenlaserns sehr positiv sind: Die Möglichkeit einer Komplikation existiert, und das Gehirn eines Angstpatienten bewertet diese Möglichkeit häufig stärker als ihre statistische Wahrscheinlichkeit es rechtfertigen würde.

Ist Angst ein Grund, auf den Eingriff zu verzichten?

Nein, in den meisten Fällen nicht. Angst allein ist keine medizinische Kontraindikation. Sie ist ein Signal, das nach Aufmerksamkeit verlangt, nicht nach Vermeidung. Massnahmen wie Beruhigungsmittel, individuell angepasste Methoden und empathische Begleitung machen den Eingriff fuer die grosse Mehrheit der Angstpatienten gut möglich.

Lediglich in Ausnahmefällen, etwa bei schwerer, behandlungsresistenter Panikstörung, kann ein Aufschub sinnvoll sein, bis eine begleitende Therapie die Angst auf ein handhabbares Niveau gesenkt hat.

Was können Sie jetzt tun?

Fazit

Angst vor Augenlasern ist normal, häufig und gut behandelbar. Sie ist kein Makel und kein Hindernis. Sie ist ein menschlicher Schutzmechanismus, der durch gute Information, Vertrauen und gezieltes Vorgehen auf ein handhabbares Maß gebracht werden kann.

Über den Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Autor

Dr. med. Kadir Kocadag

Augenlaserchirurgie · Solingen & Köln

Dr. med. K. Kocadag ist Facharzt für Augenheilkunde und Experte für moderne Augenlaserchirurgie. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität Duisburg-Essen, die fachärztliche Ausbildung an der Universitätsaugenklinik Essen. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Makula- und Netzhauterkrankungen sowie in der refraktiven Chirurgie.

Seit 2015 ist Dr. Kocadag in Solingen und Köln niedergelassen und zudem als Konsiliararzt im Städtischen Klinikum Solingen tätig.

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